| |
Es streuet Blüten jedes Jahr
( Heinrich Seidel)
der Lenz auf allen Wegen,
bringt Rosen mir zur Gabe dar
und holder Liebe Segen.
Da lass die Sorgen all vorbei
und schütze die zarten Triebe:
Ach, einmal blüht im Jahr der Mai,
nur einmal im Leben ist die Liebe!
Bald ist der süße Duft verhaucht,
die roten Rosen sterben, du siehst,
was sonst in Glück getaucht,
nach kurzem Traum verderben.
Dann ist's, als ob ins Herz die Reu
mit brennenden Lettern schriebe:
Ach, einmal blüht im Jahr der Mai,
nur einmal im Leben ist die Liebe!
Und ist dereinst dein Haar erbleicht,
so wirst du oftmals klagen,
um ein vergangnes Glück vielleicht
aus ferner Jugend Tagen.
Wohl hast du einmal froh und frei
gedacht, dass es stets so bliebe:
Ach, einmal blüht im Jahr der Mai,
nur einmal im Leben ist die Liebe!
|
|