| |
Noch ist die blühende, goldene
Zeit
(Otto Roquette)
IO du schöne Welt, wie bist du so weit!
Und so weit ist mein Herz, und so blau wie der Tag,
Wie die Lüfte durchjubelt vom Lerchenschlag;
Ihr Fröhlichen singt, weil das Leben noch mai't:
Noch ist die schöne blühende Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!
Frei ist das Herz und frei ist das Lied
Und frei ist der Bursch', der die Welt durchzieht,
Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei,
So spröd' und verschämt auch die Lippe sei.
Wo ein Lied erklinget, wo ein Kuß sich beut,
Da heißt's: nah' ist die blühende goldene Zeit,
Nah' sind die Tage der Rosen!
Ja, im Herzen tief innen ist Alles daheim,
Der Freude Saaten, der Schmerzen Keim.
D'rum frisch sei das Herz und lebendig der Sinn,
Dann brauset ihr Stürme, daher und dahin!
Aber wir sind all'zeit zu singen bereit:
Noch ist ja die blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!
|
|