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Noch einmal grüßet scheidend mich
das Jahr
(Cornelia Lechler)
Das als im Sturm mir vorbeigeflogen;
Noch einmal fühl ich in Erinnerung
Das wonnigliche Weben, Drängen, Wogen,
So wundersam, wie es mein Herz empfand,
Als Lenzeslüste schmeicheln mich umflogen;
Als über mir so klar und hochgesprengt
Sich ausgespannt des Himmels stolzer Bogen;
Als donnernd trug und jubelnd durch das Land
Der freie Strom die eisekrönten Wogen;
Als ich mit unnennbarem Lustgefühl
Den Duft der ersten Rose eingesogen;
Als sinnend ich durch's hohe Kornfeld schritt,
Wo Kaiserblumen blaue Furchen zogen;
Als unter süßer Früchte goldner Last
Die schwanken Zweige sich zur Ede bogen;
Als um die dürren Stoppeln mitleidsvoll
Mariengarn ein silbernetz gezogen;
Als endlich um das letzte Hälmchen gar
Die Herde ward vom grimmen Frost betrogen! -
Fahr wohl, du scheidend Jahr! Wie war mein Herz
Doch deiner wechselvollen Lust gewogen!-
Dank sei dem treuen Vaterhänden, die
So manche Lust in dir mir zugewogen;
Dank ihnen auch, wo sie die Seele mir
Mit Schatten dunkeln Leides überzogen!
So fliehen die Tage hin, die Jahre so,
Bis wir durch Lust und Leid emporgezogen
Einst droben schauen, was wir hier geglaubt,
Nach dessen Wort, der keinem noch gelogen!
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